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Die Überflieger: Airbus A380 und Boeing 747

Alle reden vom A380 – derweil feiert ein anderer Koloss der Lüfte Jubiläum: Die Boeing 747 fliegt seit 40 Jahren Passagiere auf der Langstrecke. Grund genug für einen Vergleichstest.

Er ist 73 Meter lang, 24 Meter hoch, hat ein Startgewicht von 560 Tonnen und ist in aller Munde: der A380, das größte und schwerste Passagierflugzeug der Welt. Spätestens nachdem auch Lufthansa den geflügelten Goliath in diesem Jahr auf den Linien nach Tokio, Peking und Johannesburg in Dienst stellt, kann man von einem “Flug in eine neue Ära” sprechen, wie Lufthansa das tut, gar von einem “Jahrhundertereignis”. Und in der Tat ist der A380 ein Meisterwerk, ein Muster an Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, ökologischer Effizienz und Komfort. Ich selbst bin mit diesem Wunder von Menschenhand voriges Jahr geflogen, auf der Strecke London-Singapur, und ich weiß noch, wie ich ihn sah, wartend am Gate in Heathrow, riesig und glänzend war er vor mir angedockt: eine fliegende Festung, ein Überflieger im Wortsinn.

Ich flog damals Business Class, genauer: New Business Class, wie das bei Singapore Airlines heißt. Mir fiel Tara Palmer-Tomkinson ein, die lebensfrohe Patentochter von Prinz Charles, die auf die Frage nach der idealen Ehe mal erwidert hatte: “Fest steht, dass ich nie im Leben genötigt sein möchte, ein Flugzeug zu besteigen und mich dann rechts zu halten.” Womit TPT, wie sie in England liebevoll genannt wird, mit der ihr eigenen Prägnanz andeutete, dass jeder zukünftige Ehemann ihr beim Einstieg ins Flugzeug das Linksabbiegen, also die Erste Klasse, ermöglichen müsse. Doch trotz der Robustheit des englischen Klassenbewusstseins wäre wohl auch TPT mit der Business Class im A380 zumindest teilweise zufrieden. Denn immerhin bieten neben den Singapurern auch Emirates und die australische Qantas Business-Class-Sitze, die sich auf Knopfdruck in ein komplett flaches Bett verwandelt lassen. Das Gestühl in der Business Class im A380 von Lufthansa und Air France kann man indes nicht derart flachlegen, hier wäre TPT sicher nicht zufrieden.

Indes arbeitet der Airbus-Konkurrent Boeing mit Hochdruck an seinem eigenen neuen Wunderwerk, genannt “Dreamliner” oder, offizieller, Boeing 787, ebenfalls ein mutmaßlich bahnbrechendes Flugzeug, dessen Rumpf zu einem Großteil aus leichtem, kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff besteht (auch der A380 verwendet natürlich moderne Verbundwerkstoffe). Die B787, die, wie seinerzeit der A380, erheblich verspätet in der Auslieferung ist, hat unlängst ihren ersten Interkontinentaltestflug hinter sich gebracht und ist bereits jetzt das meistbestellte Flugzeug der Welt. Sie wird oft als Rivalin zum Riesen-Airbus dargestellt, fliegt aber mit einer Kapazität von 200 bis 300 Passagieren in einer anderen Liga.

Tatsächlich bildet die Hauptkonkurrenz des A380, was Reichweite, Kapazität und besonders den Status angeht, ein anderes, wesentlich betagteres Fluggerät, das 2010 still und leise das 40-jährige Jubiläum seiner kommerziellen Indienstsetzung begeht: die Boeing 747, gemeinhin Jumbojet genannt. 1970 absolvierte eine B747-100 ihren ersten Linienflug für PanAm von New York nach London.

Der gute alte Jumbo war der erste Jet mit zwei Gängen; mit einer Länge von 70,60 Metern und Platz für mindestens 366 Fluggäste war er damals das weltgrößte Passagierflugzeug – und mit seinem charakteristischen Buckel ist er noch immer eines der ikonischsten und imposantesten Flugzeuge der Welt. Ebenfalls ein Überflieger, ein Jahrhundertereignis, freilich eines des vorigen Jahrhunderts. Also dachte ich: Mal sehen, wie es dem Jumbo inzwischen geht. Und flog mit ihm von München nach Bangkok. Mit ihm und mit Thai Airways, einer Fluggesellschaft, die 2010 ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Mein erster Eindruck beim Betreten der B747: Diese Maschine ist ziemlich alt. Natürlich war dies vor allem der spezifische Eindruck beim Betreten jener spezifischen Thai-Maschine (ein gutes Indiz für das Alter eines Flugzeugs sind stets die Bedienelemente und Leuchtzeichen über den Sitzen). Ich flog Business Class und saß oben, also im Buckel. Die Boeing war irgendwann neu bestuhlt worden, aber Wände und Boden wirkten leicht ramponiert, ein paar Blenden und Teppichränder waren lose, ein Notfalllicht fehlte. Die Waschräume: klein und klapprig und mit unpraktischen Druckwasserhähnen. Die Business Class heißt bei Thai “Royal Silk”, und Thais Motto lautet “smooth as silk”, also “sanft wie Seide”, doch dies traf leider nicht zu, weder mit Blick auf Service noch Gerät.

Für den Fluggast liegt der deutlichste Unterschied zwischen dem A380 und einer (älteren) Boeing 747 zweifellos im Rüttel- und Geräuschpegel. Die B747 ist lauter und schwerfälliger; besonders Start und Landung verlaufen archaischer als im neuen Airbus. Die Triebwerke sind so leise, dass sich A380-Neupassagiere anfangs fragen, ob der Pilot vielleicht vergessen hat, sie anzustellen.

Nun scheint es natürlich unfair, zwei Geschwister zu vergleichen, bei denen die ältere Schwester knapp 40 Jahre mehr auf dem (buchstäblichen) Buckel hat – auch wenn sie quasi kontinuierlich geliftet wurde: Mittlerweile gibt es die Baureihe 747-400, und eine 5,60 Meter längere Version namens 747-8 ist im Werden. Doch eigentlich interessiert uns die B747 hier eher als Exempel einer Form des Reisens, die wir womöglich schon bald als historisch wahrnehmen werden; als Verkörperung einer obsoleten Form der Klassengesellschaft. Die Klassengesellschaft scheint ja (zumindest in der westlichen Welt) auf dem Feld des Zivilflugbetriebs eines ihrer letzten Refugien gefunden zu haben, ist aber gewissen Dynamiken unterworfen. Während beispielsweise der Jumbojet von Thai (wie viele andere) mit der konventionellen Dreiteilung Economy-Business-First die Verhältnisse des letzten Jahrhunderts widerspiegelt, ist die Kabinenorganisation des A380 ein Sinnbild der modernen Reisegesellschaft.

Auffallend ist hier vor allem ein Anlauf zur Wiedereinsetzung der First Class als “Allerheiligstes”, nachdem jahrzehntelang die Erste Klasse bei vielen Linien aufgeweicht oder abgeschafft worden ist. Nicht nur Singapore Airlines, auch Emirates, Etihad und Qantas konzentrieren sich nun bei ihrer A380-First-Class auf das Konzept der “Suite”, also die Idee einer hermetischen Luxusblase, die den First-Class-Passagier bereits bei der Ankunft am Flughafen umfängt und ihn scheinbar zurückführt in eine Ära, in der das Fliegen ein Synonym für Luxus und Privatsphäre war. In den frühen Tagen der B747 fand man auf deren Oberdeck übrigens nicht selten eine Cocktail-Bar, bevor Ölkrise und Wettbewerbsverschärfung das Zeitalter des kostenbewussten Massenflugverkehrs einläuteten.

Und der A380 scheint nun wieder eine Wende anzuzeigen, einen Paradigmenwechsel für die Klassengesellschaft über den Wolken, mit den Suiten der Ersten Klasse und dem Konzept einer komfortabler konfigurierten New Business Class, die sich deutlich abgrenzt gegen eine immer weiter ausufernde Economy-Sektion. Die Kastenunterschiede im Himmel des 21. Jahrhunderts sind also in gewisser Weise pointierter geworden – aber natürlich nicht überall. Die Lufthanseaten etwa verzichten in ihrer A380-First-Class auf Suiten und bieten stattdessen eine Platzkonfiguration, wie wir sie bei einigen Konkurrenten in der Business Class finden. Lufthansa sagt, dem Konzept liege eine Passagierbefragung zugrunde. Zudem hat man wohl die Frage, ob in vermeintlichen Krisenzeiten eine ausreichende Nachfrage für stratosphärisch teure Suiten an Bord eines Großraumflugzeugs besteht, mit Nein beantwortet. Dabei ist die eigentlich relevante Frage eine andere: Wird nicht jemand, der sich ein First-Class-Ticket leisten kann, nicht lieber gleich den Privatjet nehmen?

Der Luxus der Suiten ist also für die Fluggesellschaften ein wirtschaftliches Risiko – eine Folge der unternehmerischen Entscheidung, die rund 40 Prozent mehr Platz, die der A380 gegenüber einer B747 bietet, in die höheren Klassen (besonders die First) zu investieren und nicht unbedingt in eine Verbesserung des Economy-Abteils. In der Holzklasse bleibt es also eng. Freilich profitiert im A380 auch der Economy-Passagier von einem leiseren Flug: Die sogenannte Lärmschleppe, der Geräuschteppich, den das Flugzeug hinter sich herzieht, ist um ungefähr 40 Prozent kleiner als bei einer Boeing 747.

In mir selbst jedenfalls entstand im A380 ein Wohlgefühl: Ich wollte gar nicht mehr aufstehen. Ich sank zurück in meinen Sessel, es trat eine wohlige Abspannung ein, die große Fremde eröffnete sich hinter dem Bogen der Fenster, freudige Erwartung beschäftigte das Gemüt. Wir pflügten durch die Wolken, vom zarten Rauschen machtvoller Turbinen dahingetrieben, und manchmal rüttelte es trotz allem ein bisschen, als wollte Mutter Natur der menschlichen Hybris durch gelegentliches Räuspern bedeuten, dass sie immer noch die Schürze anhat. In der B747 rüttelte es zwar wesentlich stärker, aber auch sie mag ich, wie man eine alte Tante eben mag.

Quelle: Philipp Tingler, Welt am Sonntag, 01.08.2010

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