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Gebrauchsanleitung für San Francisco

Was tun, wenn man zum ersten Mal in dieser Stadt ist? Cable Car fahren, Seelöwen gucken, über die Golden Gate Bridge spazieren – und beim Aufheulen von Polizeisirenen an “Die Straßen von San Francisco” denken

Zuerst die Geräusche. Wenn ich die Augen schließe, dann höre ich: den rauen Gesang des Kabels unter dem Pflaster der Powell Street. Das Rumpelrattern der Cable Cars. Das helle Glückchengebimmel, sobald der Schaffner an seinem Strick zieht. Möwengeschrei an Fisherman’s Wharf. Die heiseren Belllaute der Seelöwen, die sich vor Pier 39 auf Holzflößen aalen. Und im Hintergrund heult, wie könnte es anders sein, eine Polizeisirene.

Meine ersten Eindrücke von San Francisco habe ich als Kind durch Fernsehkrimis empfangen. Unvergesslich Karl Malden mit Schlapphut und ein sehr junger Michael Douglas als sein Kompagnon in “Die Straßen von San Francisco” – die Anfangssequenz jagt immer noch Schauer der frohen Erwartung mein Rückgrat hoch: steile schnurgerade Buckelpisten, dunkle Limousinen, die mit einem schmerzhaften Krachen der Stoßdämpfer auf dem Asphalt landen. Steinerne Häuserschluchten und Ganoven mit gezückter Pistole. So sah ich diese Stadt, lange bevor ich hinfuhr, so wollte sie offenbar gesehen werden. Später gesellte sich Monk dazu, gespielt von dem großartigen Tony Shalhoub, ein neurotischer Zwangscharakter, der auch die seltsamsten Fälle löst.

Vor dem Hintergrund dieser TV-Erfahrung war ich nach meiner Ankunft verblüfft, wie idyllisch, wie friedlich und wie klein San Francisco ist. Ich habe mich dort sofort wie zu Hause gefühlt. Ein wenig dachte ich an Zürich (der steilen Hügelgassen wegen), ein bisschen an Stockholm (viele der alten Häuser wurden von Schweden gebaut), irgendwie auch an Amsterdam (weil die Stadt sich zum Meer hin öffnet). Eine dermaßen europäische Stadt vermutet man freilich an der US-Westküste kaum. Andererseits: Eine solche kunterbunt gemischte Einwohnerschaft würde man nirgendwo in Europa antreffen – viele Schwarze und Latinos, Chinatown und japanisches Viertel, eine große, alteingesessene jüdische Gemeinschaft. Außerdem ist San Francisco eine Hochburg der Schwulen.

An meinem ersten Abend in San Francisco ging ich entlang der Market Street spazieren, die sich als schräger Balken über den Stadtplan zieht. Ich sah das Licht der Laternen, ich sah die Straßenbahn, ich sah die vielen Gesichter der Leute, die so spät noch unterwegs waren, und dachte im Stillen: Hier bleibst du eine Weile. Am nächsten Morgen spazierte ich zu der Ecke, wo Market und Powell Street aufeinandertreffen – dort fand ich gleich die Endstation des Cable Car. Diese uralte Straßenbahn wird in San Francisco seit 1873 von Kabeln unter der Straße vorwärtsgezogen, wenn sie nicht gerade den Hügel runterrollt. Ich schaute zu, wie der schwarze Fahrer und sein chinesischer Schaffner den Trambahnwagen in Handarbeit auf einem riesigen runden Holzbrett in Fahrtrichtung drehten, dann stieg ich auf. Und ritt für fünf Dollar auf dem Trittbrett an herrlichen alten Bürgerhäusern vorbei, bergauf und bergab, bis der ratternde Wagen endlich am berühmten Pier 39 ausrollte.

Gewiss: Pier 39 ist eine Touristenfalle. Auf diesem Anleger reiht sich ein Kitschladen an den nächsten, ein Restaurant an das andere. Auf einer Anhöhe über dem Pier erhebt sich der Ghirardelli Square, dort ersteht der Kalorienfreund kiloweise Schokolade direkt vom Erzeuger, oder er vertilgt gewaltige Eisportionen. Mich aber packte beim Anblick der meist übergewichtigen Konsumenten der sportliche Wahnsinn: Ich beschloss, von hier zu Fuß zur Golden Brate Bridge zu laufen. Der Gewaltmarsch dauerte zwei Stunden. Aus schierem Übermut marschierte ich gleich auch noch über die Brücke selbst. Sie ist rostrot angestrichen und furchtbar lang. Hinterher fielen mir die Zehen ab, jedenfalls fühlte es sich so an.

Was unternimmt man in San Francisco am Abend? Die Stadt ist berühmt für ihre vielfältige Theatertradition. Ich hatte in dieser Hinsicht ein enttäuschendes und ein erhebendes Erlebnis. Die Enttäuschung war das renommierte American Conservatory Theater. Dort gab man Brechts “Kaukasischen Kreidekreis”, und eigentlich hatte ich gehofft, ich würde in Amerika einem Wunder beiwohnen: Brechts Auferstehung. (Schließlich gilt dieser Stückeschreiber in seiner Heimat als abgetan, passé.) Aber leider blieb Brecht auch in San Francisco schön tot. Daran war indes nicht das exzellente Ensemble schuld, das sich redlich mühte, sondern die miese Übersetzung. Aus dem Leim gelacht habe ich mich dagegen im berühmten Improvisationstheater Bats, das sein Hauptquartier in Fort Mason unterhält, einem ehemaligen Militärlager am Strand. Improvisationstheater kann entsetzlich und peinlich sein; bei Bats habe ich eineinhalb Stunden lang erst gekichert, dann gewiehert und am Ende ernsthaft gefürchtet, dass ich keine Luft mehr kriege – für schlappe 18 Dollar!

Castro, San Franciscos Schwulenviertel, liegt am Ende der Straßenbahnlinie F. Improvisiert ist hier nichts, alles ist aufgeräumt und hübsch, mit einem Wort: wunderbar spießig. Schwule Touristen gehen dort eher abends aus, Heteros lassen sich im Castro am Vormittag für wenig Geld die Haare schneiden. Über dem Ganzen weht stolz die Regenbogenflagge – als Zeichen, dass die Zukunft längst begonnen hat.

Während ich zwischen den picobello renovierten Häusern flanierte, schoss mir mit einem Mal durch den Kopf, dass ich San Francisco früher doch nicht nur in Krimis gesehen habe. Allerdings ist jene cineastische Anspielung auf die Stadt dermaßen gut versteckt, dass man schon Bescheid wissen muss, um sie zu erkennen: In Fort Baker, also gleich auf der anderen Seite der Bucht, befindet sich das Hauptquartier der Sternenflotte in “Raumschiff Enterprise”. In den einschlägigen Filmen ist manchmal im Hintergrund die Golden Gate Bridge zu sehen. Diese popkulturelle, futuristische Einrahmung passt eigentlich viel besser zu der Stadt als Detektivgeschichten. Zumal San Francisco mit seinen europäischen, afrikanischen und asiatischen Elementen in Amerika ohnehin wirkt wie von einem anderen Stern.

Anreise: Lufthansa fliegt nonstop von Frankfurt und München (lufthansa.com), United fliegt nonstop von Frankfurt (unitedairlines.de)

* Auskunft: Im Internet: www.onlyinsanfrancisco.com

Quelle: Hannes Stein, Welt am Sonntag

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