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Die europäischste Stadt Amerikas

Architektonisch wirkt Buenos Aires wie eine Mischung aus Madrid und Paris. Die Sitten sind indes andere: Man tanzt allenthalben Tango, isst Rindfleisch und staunt über Vegetarier

Mario steht mit einem Schild in der Hand am Flughafen von Buenos Aires und ist ganz aufgeregt. Nicht weil die Aufgabe, ausländischen Gästen die Sehenswürdigkeiten seiner Stadt zu präsentieren, für ihn, einen altgedienten Fremdenführer, noch immer eine spannende Angelegenheit wäre. Sondern weil er mich gleich ins Teatro Colón begleiten darf, der Oper der Stadt, die nicht etwa irgendeine Oper ist: Sie ist eines der legendärsten Opernhäuser der Welt.

Leider ist das Teatro Colón (Colón bedeutet zu Deutsch Kolumbus) an diesem Nachmittag im April bereits seit dreieinhalb Jahren geschlossen – wegen Renovierung. Eigentlich war die Wiedereröffnung bereits 2008 zur 100-Jahr-Feier des Opernhauses geplant, doch weil zwischendurch das Geld ausging, hat sich die Renovierungszeit dummerweise verdoppelt. Jetzt soll am 24. Mai Wiedereröffnung gefeiert werden, einen Tag bevor Argentinien seinen höchsten Feiertag begeht, den 200. Jahrestag der Mai-Revolution, die zur Unabhängigkeit von Spanien führte.

Doch je länger das Teatro Colón geschlossen blieb, desto abenteuerlicher schossen die Gerüchte ins Kraut. Hatte man dem Teatro im Zuge der Baumaßnahmen irreparable Schäden zugefügt? Hatte man es über Gebühr modernisiert, obwohl es doch eigentlich restauriert werden sollte? Oder ist möglicherweise gar die legendäre Akustik des Hauses ruiniert worden, die als die beste Opernhaus-Akustik überhaupt gilt? Wenn man einen der 1000 Stehplätze direkt unterm Dach ergattert, wird man angeblich mit dem wunderbarsten Klang belohnt. Allerdings sieht man von dort oben ziemlich schlecht, weswegen es zum Glück auch noch rund 2500 Sitzplätze gibt. Da Buenos Aires offenbar eine recht operninteressierte Stadt ist, sind meist alle Plätze belegt. Zumindest war es so, bevor das Teatro renoviert wurde.

Mit gelben Bauhelmen auf unseren Köpfen werden Mario und ich durch die Räumlichkeiten geführt. An allerhand Leitern, Schutzplanen und Baugerüsten entlang geht es in die Eingangshalle mit ihrer gigantischen Marmortreppe, den frisch gestrichenen Wänden, dem goldenen Stuck, der derart strahlt, dass man versucht ist, die Sonnenbrille aufzusetzen. Auf dem Boden kauert ein Mann und schließt die letzten Lücken im Mosaik. Mario schwärmt: “So schön hatte ich das gar nicht in Erinnerung.”

Der Goldene Saal ist in der Tat ein Fiebertraum aus funkelnden Dekors, dramatischen Kronleuchtern und Spiegeln, angeblich ließ sich der Gestalter von Schloss Versailles inspirieren. Einen ähnlich herausgeputzten Eindruck macht der Bühnenraum, nur dass er inzwischen mit modernster Technik ausgestattet ist, die man als Laie aber nicht sieht. Besonders wichtig: Strenge Akustiker achteten selbst bei der kleinsten Veränderung darauf, dass es zu keiner Beeinträchtigung des Höreindrucks kommt. Neue Sesselpolster? Auf keinen Fall, die Akustik könnte Schaden nehmen! Neuer Vorhang? Unter gar keinen Umständen! Die Klangqualität steht auf dem Spiel. Man würde sich nicht wundern, wenn die Theaterleitung nach der Wiedereröffnung den Zuschauern eine Kleiderordnung verordnen würde, die besagt: Bitte keine Wollpullover tragen! Die schlucken nämlich die Obertöne.

Zufrieden verlassen wir die Oper, Mario sagt: “Schön!” Das Teatro Colón wie auch die angrenzende Avenida 9 de Julio sind Relikte aus einer Zeit, in der Argentinien eines der reichsten Länder der Welt war. Die Oberschicht pflegte eine ausgeprägte Faszination für Europa, vor allem Paris hatte es ihr angetan. Der Wunsch nach einem Prachtboulevard, auf dem man elegant entlangschlendern kann, führte 1935 nach längeren Streitereien mit zweifellos engstirnigen Anwohnern und Grundstücksbesitzern dazu, dass mitten durch die Stadt eine 140 Meter breite Schneise geschlagen wurde. Angesichts des Verkehrs mag man das aus heutiger Perspektive für eine gute Idee halten. Man muss sich allerdings vor Augen halten, dass es damals kaum Autos gab und eine zwanzigspurige Straße vielleicht doch etwas zu großzügig gedacht war. Damit man sich auf der Avenida 9 de Julio nicht komplett verlor, pflanzte man quasi als Orientierungspunkt einen 67 Meter hohen Obelisken auf die Straße, der heute als eines der Wahrzeichen von Buenos Aires gilt.

Zu den Besonderheiten der Stadt zählt, dass man nach einer mindestens 14-stündigen Anreise – die Strecke Frankfurt-Buenos Aires ist der längste Nonstop-Flug, den die Lufthansa anbietet – das Gefühl hat, immer noch in Europa zu sein. Zumindest oberflächlich betrachtet wirkt Buenos Aires wie eine Mischung aus Madrid und Paris – nur eben deutlich weiter weg. Mario sagt: “Die drei Standbeine der Stadt sind Evita Perón, Tango und Rindfleisch.” Dem Tango und Rindfleisch begegnet man praktisch überall, für Evita Perón muss man den Friedhof La Recoleta aufsuchen, eine kleine, verwinkelte Totenstadt voller wunderbar verzierter Mausoleen im Zentrum von Buenos Aires. Allerdings: Die Gegenwart von Evitas Gebeinen wird man auf dem Friedhof kaum spüren, ihr Platz im Mausoleum ihrer Familie ist leer; aus Angst vor Entführung hat man ihren Sarg anderswo untergebracht. Allerdings scheint es, dass man in Argentinien für Evita weniger schwärmt als im Ausland; Andrew Lloyd Webber muss ihr Bild beim Schreiben seiner Musikbiografie wohl ein wenig geschönt haben.

Schwärmen darf man indes über die Qualität des Rindfleischs. Praktisch an jeder Ecke werden erstklassige Steaks angeboten, der Argentinier isst ja auch nichts anderes – vielleicht nicht gerade morgens, gewiss aber mittags und abends. Rund 85 Prozent der argentinischen Rindfleisch-Produktion landet auf einheimischen Tellern. Obwohl das Land reichlich von Wasser umspült wird, allerhand Flüsse und Seen hat, sagt Mario: “Bestellen Sie keinen Fisch. Fisch mögen wir nicht, also können wir ihn auch nicht zubereiten.” Gleiches gilt für gekochtes Gemüse, man hält es für suspekt. Dafür wird Salat gegessen, was aber nicht heißt, dass es Vegetariern dadurch in Buenos Aires leichter gemacht werden würde. Das Konzept einer fleischlosen Ernährung stößt immer noch auf größtes Unverständnis.

Dabei hat der Tourismus – und damit auch der Zulauf durch Vegetarier – seit der Staatspleite von 2001 kräftig angezogen. Dank der Abkopplung des Pesos vom US-Dollar sieht man allerorten ausländische Touristen durch die Stadt ziehen, die herrlich günstig finden, was vorher unbezahlbar war. Das Resultat sind florierende Gegenden wie der Stadtteil Palermo mit seinen ungezählten Boutiquen und Restaurants oder der jüngste Bezirk Puerto Madero, den man über die Frauenbrücke des spanischen Architekten Santiago Calatrava erreicht.

Genau dort hat auch der junge Ex-Modedesigner Alan Faena, der sich grundsätzlich in Weiß kleidet, in einem alten Getreidespeicher das erfrischend durchgedrehte “Hotel Faena Hotel + Universe” gebaut. Der Dresscode der Angestellten ist an die 20er-Jahre angelehnt, die Gestaltung der Zimmer wurde offenbar vom Goldenen Saal des Teatro Colón inspiriert, die Farben Weiß und Rot dominieren, an Spiegeln wurde nicht gespart, auch nicht an schweren Samtvorhängen. Man könnte sagen: eine klassizistische Reinterpretation des Rokoko mit den Mitteln des Art-déco aus heutiger Perspektive. Und in dieser Hinsicht durchaus passend für diese europäischste Stadt Amerikas.

Anreise: Zum Beispiel Frankfurt-Buenos Aires nonstop mit Lufthansa (lufthansa.com) oder mit Iberia via Madrid (iberia.com)

Veranstalter: Der Spezialveranstalter Art of Travel bietet ein Buenos-Aires-Package mit fünf Ü/F im “Faena Hotel + Universe” an, ab 2990 Euro inkl. Flug, Airport-Privattransfer, Stadtführung (auf Wunsch werden Opernbesuche und Tangoprogramme individuell arrangiert), Tel. 089/211 07 60, www.artoftravel.de

Auskunft: Botschaft der Republik Argentinien, Tel. 030/2266890, www.embargent.de; Teatro Colón: www.teatrocolon.org.ar; die Reise wurde unterstützt von Art of Travel

Quelle: Harald Peters, Welt am Sonntag

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